Leiurus quinquestriatus / Fünfgestreifter Wüstenskorpion

L. quinquestriatus Herkunft und Beschreibung: Leiurus quinquestriatus (Fünfgestreifter Wüstenskorpion, Ehrenberg 1828) bewohnt Wüsten- bis Halbwüstengebiete. Seine Population erstreckt sich vom Nahen Osten über Nordafrika bis zur arabischen Halbinsel und die Türkei.
Bei L. quinquestriatus handelt es sich um eine monotypische Gattung, was bedeutet, dass es neben L. quinquestriatus keine weiteren Arten dieser Gattung gibt. Jedoch wurde eine weitere Unterart beschrieben und so gibt es neben dem nominaten L. quinquestriatus quinquestriatus noch den L. quinquestriatus hebraeus. Anfangs wurde L. quinquestriatus der Gattung Androctonus, später den Buthus zugeordnet, bis er schließlich als eigene Gattung beschrieben wurde.
L. quinquestriatus ist in verschiedenen Gelbtönen bis hin zu beige orange gefärbt. Diese Farbgebungsunterschiede sind auf die Färbung des jeweiligen Habitats zurückzuführen. Seine Mesosomaoberseite zeichnet sich durch die namensgebenden fünf Linien aus. Die Körperlänge dieses anmutenden Skorpions liegt zwischen 6 und 10 Zentimetern. Allerdings wurden auch Exemplare mit einer Körperlänge von 14 Zentimetern gefunden. Im juvenilen bis subadulten Stadium zeichnet sich L. quinquestriatus durch ein dunkles Metasomaendsegment aus, welches jedoch mit Adulthäutung verblasst.

Giftigkeit: An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass L. quinquestriatus zu den giftigsten Skorpionen zu zählen ist. Seine Giftpotenz übersteigt die von Androctonus spp. oder Tityus spp. deutlich. So reichen 0,01 Milligramm seines Giftes, um eine ausgewachsene Maus (50 Gramm) zu töten. Weiterhin scheut dieser Skorpion in keiner Situation, seinen Giftstachel einzusetzen. Die Flucht wird erst ergriffen, wenn wiederholte Stiche (zum Beispiel auf die Pinzette) nichts bewirken. Schon bei der kleinsten Störung geht L. quinquestriatus in Abwehrhaltung und scheut auch nicht, auf den vermeidlichen Störenfried offensiv-aggressiv zu reagieren. Deswegen sind bei der Haltung dieser Art jegliche Sicherheitsrelevanten Maßnahmen zu ergreifen. Auch das handeln mit der Pinzette im Terrarium sollte stets mit geeigneten Handschuhen erfolgen, da die Tiere unberechenbar plötzlich auf die Störquelle "losgehen" können. Weiterhin ist das Terrarium angemessen mit Schloss und stabilem Stellplatz zu versehen. Das Handeln am Tier selbst sollte nur im äußersten Fall und ebenfalls nur über eine lange Pinzette und Sicherheitshandschuhe erfolgen.

Terrarienhaltung: Adulte L. quinquestriatus sind in einem Terrarium der Maße 30 x 30 x 20 Zentimeter (L x B x H) zu halten. Als Substrat sollte ein Sand-Lehm-Gemisch verwendet werden, welches den Tieren die Möglichkeit bietet, Tunnel anzulegen. Die Temperatur sollte tagsüber bei 30 bis 35 Grad liegen, nachts sollte sie auf Zimmertemperatur oder darunter fallen. Es ist auf eine Versteckmöglichkeit zu achten, unter der meist der Eingang zum teilweise weit reichenden Tunnelsystem angelegt wird. Als Wüstenbewohner benötigt L. quinquestriatus keine erhöhte Luftfeuchte, es sollte sogar darauf geachtet werden, dass die relative Luftfeuchte nicht zu hoch liegt, was zu spontanem Versterben des Tieres führen kann. Demnach ist auch eine stets gefüllte Wasserschale im Terrarium Fehl am Platze. L. quinquestriatus nimmt jegliche Flüssigkeit über die Futtertiere zu sich. Wer ganz sicher gehen möchte, gibt alle zwei bis drei Wochen einen kleinen (!) Löffel Aquagel in das Terrarium - kein normales Wasser, da dies verdunstet und die RLF zu stark erhöht.

Fütterung: Dieses Thema sollte bei L. quinquestriatus besonders hervorgehoben werden, da sein interessantes Beuteverhalten sicherlich zu seiner Beliebtheit bei Skorpionhaltern beiträgt. Das besondere an L. quinquestriatus ist, dass er nicht wie andere Skorpione als Lauerjäger agiert, sondern aktiv auf Jagd geht und das Beutetier oftmals durch das gesamte Terrarium verfolgt. Weiterhin ist es faszinierend zu sehen, mit welcher Präzision dieser attraktive Skorpion seinen Giftstachel einsetzt. So beobachtet man bei einigen Exemplaren ein sehr interessantes Schauspiel: Das Beutetier wird teilweise mit einem kurzen Stich gelähmt, jedoch erst in der folgenden Nacht verzehrt.
Als Futtertiere können Insekten (Heimchen, Steppengrillen, Mittelmeergrillen, Heuschrecken etc.) gereicht werden, die in der Größe guten Gewissens der Körperlänge des Skorpions entsprechen dürfen. Sein hochpotentes Gift ermöglicht L. quinquestriatus das sichere Töten auch von größeren Beutetieren. Der Größe entsprechend sollte man seinem Pflegling alle ein bis zwei Wochen Futter anbieten. Auf die Verfütterung von Säugetieren sollte verzichtet werden - laut Tierschutzgesetz ist es untersagt, Wirbeltiere an Skorpione und Vogelspinnen zu verfüttern.

Bemerkung: L. quinquestriatus ist durch sein graziles Äußeres, seine anspruchslose Haltung und das faszinierende Beuteverhalten ein sehr interessanter Pflegling für den verantwortungsbewussten Halter. Seine robuste Gesundheit macht ihn ebenfalls zu einem geeigneten Einstieg in die Skorpionhaltung - ist man sich des hohen Giftrisikos bewusst und geht damit entsprechend um. Wie jedes andere Tier hat auch dieser Skorpion nichts in den Händen oder Regalen derer zu suchen, die sich damit brüsten müssen, das Giftigste vom Giftigsten zu halten. Wer jedoch Spaß an attraktiven, außergewöhnlichen Skorpionen hat und in ihm keinen Pandinus imperator vermutet, dem sei dieses wunderschöne Tier wärmstens empfohlen.

Sicherheitsrelevante Quellen:
www.toxinfo.org
LD50-Tabelle
www.giftinfo.uni-mainz.de

Rufnummern im Notfall:
Giftnotruf Mainz: (+49) 06131-19240
Giftnotruf Berlin: (+49) 030-19240
Giftnotruf München: (+49) 089-19240.

Bericht: Manuel Reiß
Bilder: Andreas Streit, Terraristikecke.de




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